Radiografie (Konventionelles Röntgen)

Trotz der Entwicklung neuerer Verfahren wie Computertomografie (CT), Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MRT), ist die konventionelle Röntgenaufnahme nach wie vor eine wichtige Technik zur Diagnose verschiedener Erkrankungen. Röntgenstrahlen werden in einer so genannten Röntgenröhre erzeugt und dringen bei der Röntgenaufnahme durch den zu untersuchenden Körperteil. Je nach der Beschaffenheit (Dichte) des bestrahlten Gewebes werden die Strahlen in unterschiedlichem Ausmaß absorbiert bzw. blockiert, d. h. sie durchdringen das Gewebe verschieden stark. Röntgenstrahlen, die vom Gewebe nicht absorbiert werden, sind auf einem geeigneten Röntgenfilm sichtbar (Abbildung 1)1.

Abb. 1: Prinzip der Röntgentechnik. Ein Blendensystem (Collimator) fokussiert den Röntgenstrahl so, dass nur der zu untersuchende Bereich bestrahlt wird. Das Streustrahlenraster verstärkt den Kontrast, indem es die Streustrahlung vermindert.

Abb. 1: Prinzip der Röntgentechnik. Ein Blendensystem (Collimator) fokussiert den Röntgenstrahl so, dass nur der zu untersuchende Bereich bestrahlt wird. Das Streustrahlenraster verstärkt den Kontrast, indem es die Streustrahlung vermindert.

Knochen blockieren aufgrund ihrer hohen Dichte Röntgenstrahlen besonders gut, wogegen weniger dichte Gewebe, wie die Muskulatur, für die Strahlen durchlässiger sind. Dies zeigt sich auf dem Röntgenfilm in Form der bekannten Kontraste, wobei Knochen als weiße Bereiche und anderes Gewebe als dunklere Bereiche abgebildet werden (Abbildung 2)2. Deshalb ist die konventionelle Röntgenaufnahme besonders zur Untersuchung von Knochen und kalziumreichen Geweben geeignet, wie z. B. zur Diagnose von Knochenbrüchen. Zu den anderen Einsatzbereichen der konventionellen Radiografie zählen die Untersuchung von Bauchorganen wie Leber und Harnblase, aber auch die Diagnose einer Lungenveränderung (Lungenentzündung, Lungenkrebs) oder die Mammografie zur Diagnose von Brustkrebs. Die Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen (Fluoroskopie) wird zur Diagnose zahlreicher Erkrankungen im Bereich des Magen- und Darmtraktes, sowie der Geschlechts- und Harnorgane eingesetzt.

Abb.2: Klassische Röntgenaufnahme des Brustkorbs.

Abb. 2: Klassische Röntgenaufnahme des Brustkorbs.

Üblicherweise wird bei einer Röntgenaufnahme ein Film belichtet, der entwickelt werden muss, bevor der Arzt das Röntgenbild begutachten kann. Die Entwicklung nimmt Zeit in Anspruch, auch wenn sie heute automatisch erfolgt, und die erforderlichen Geräte benötigen Platz. Deshalb wird die konventionelle Röntgentechnik zunehmend durch die digitale Radiografie ersetzt. Hierbei wird, ähnlich wie bei einer digitalen Kamera, anstelle eines Filmes ein digitales Detektorsystem verwendet. Dieses „elektronische Bild“ wird dann durch einen Computer verarbeitet, es kann also digital gespeichert und direkt ohne chemischen Entwicklungsprozess auf einem Bildschirm betrachtet werden.

Die konventionelle Radiografie bietet schnelle, hochaufgelöste Bilder und ist relativ preiswert. Üblicherweise dauert eine konventionelle Röntgenuntersuchung insgesamt weniger als 10–15 Minuten und erfordert keine spezielle Vorbereitung des Patienten. Der Röntgentechniker wählt die erforderliche Strahlendosis – je nach Größe des Patienten, der zu untersuchenden Körperpartie und erwünschtem Kontrast. Da Bewegung, z. B. der Lunge und des Zwerchfells, das Bild unscharf machen würde, werden Patienten gebeten, sich während der Aufnahme nicht zu bewegen und die Luft anzuhalten. Das Röntgenbild wird auf einem Film fixiert und anschließend von einem speziell ausgebildeten Radiologen begutachtet.

Die ionisierende Strahlung einer Röntgenaufnahme ist gering karzinogen. Eine kontinuierliche Belastung des Körpers mit diesen Strahlen über einen längeren Zeitraum kann das Krebsrisiko erhöhen. Allerdings sind Experten der Ansicht, dass die Vorteile der richtigen Diagnose einer Erkrankung und somit auch einer entsprechenden Therapie, das geringe Risiko bei weitem übertreffen.

Da ungeborene Kinder sehr viel empfindlicher gegenüber der ionisierenden Strahlung sind als Erwachsene, sollten Röntgenuntersuchungen bei Schwangeren möglichst vermieden werden. Ärzte werden das höhere Risiko von Ungeborenen, Kleinkindern und Kindern bei der Verordnung einer Röntgenaufnahme immer berücksichtigen.

1. Modifiziert nach: http://media.wiley.com/product_data/excerpt/63/04712376/0471237663.pdf (Letzter Besuch: 17. August 2011)
2. Mit freundlicher Genehmigung des Klinikum St. Marien Amberg, Deutschland